Ein Schultyp vor dem Aus? "Wir werden Sonderschulen weiterhin brauchen"

von CLOE

LINZ, WIEN. 2006 unterzeichnete die österreichische Regierung die Behindertenrechte-Konvention der UNO. Mit weitreichenden Folgen, auch für den Schulbereich.

Denn in dem Übereinkommen wird festgelegt, dass Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam unterrichtet werden müssen – nach den Grundsätzen der "Inklusion" (früher Integration). 2012 listete Österreich im nationalen Aktionsplan Maßnahmen auf. So sollen "inklusive Modellregionen" bis 2020 flächendeckend eingeführt werden.

4950 Kinder mit Förderbedarf

Wird dann ein ganzer Schultyp Geschichte sein? Nein, sagt Julia Valsky, Sprecherin des Unterrichtsministeriums. In den Modellregionen sollen inklusive Lernformen so weiterentwickelt werden, "dass eine gesonderte Beschulung nicht mehr notwendig ist", sagt sie. "Denkbar sind jedoch auch Schulen mit spezifischen Förderschwerpunkten, die von Schülern mit und ohne Förderbedarf besucht werden."

Auch in Oberösterreich sträubt man sich gegen die Idee, ausnahmslos alle Kinder gemeinsam zu unterrichten. "Ich bin für die Integration, aber es gibt Bereiche, wo wir die Sonderschulen weiterhin brauchen", sagt Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer. "Das kann nicht jeder Lehrer machen."

In Oberösterreich haben derzeit 4950 Kinder einen "sonderpädagogischen Förderbedarf" (SPF) – von der Lernbeeinträchtigung bis zur Mehrfachbehinderung. Rund 1000 von ihnen gelten als schwerbehindert. 71,4 Prozent aller Kinder mit SPF werden in Volks- oder Neuen Mittelschulen unterrichtet, der Rest besucht eine der 26 Sonderschulen. Sollten diese wirklich abgeschafft werden, bräuchte es dazu – nicht nur gesetzliche – Rahmenbedingungen, sagt Landesschulinspektorin Heidemarie Blaimschein. "Wir bräuchten ein flexibleres System, das variable Gruppengrößen ermöglicht. Außerdem müssten die Schulen besser ausgestattet werden."

Doch ist das pädagogisch sinnvoll? Ja, sagt Willi Prammer, Lehrer an der Pädagogischen Hochschule des Bundes und bis vor kurzem Sprecher der Leiter von sonderpädagogischen Zentren. Er verweist auf Beispiele, wo schwerstbehinderte Kinder in Regelschulen integriert wurden: "Alle Kinder haben die gleichen Rechte", sagte er. Studien hätten bessere Lernergebnisse bei inklusivem Unterricht nachgewiesen – für Schüler mit und ohne Beeinträchtigung.

 

.....hier gehts direkt zum Artikel d. OÖN vom 16.10.2014

Zurück