16. - 18. MÄRZ 2011 | FORUM CLÖ

Erziehung ist Beziehung
Jahrestagung des Forums CLÖ


Was Kinder und Jugendliche für die Zukunft brauchen - Perspektiven in herausfordernden Umbruchzeiten"

Unter diesem Titel wies Ass.-Prof. MMag. Dr. Regina Polak MAS darauf hin, dass alle Generationen vor einer epochalen Zeitenwende und den damit verbundenen Herausforderungen stehen und dass die Hauptsorge weniger einem Werteverlust als viel mehr einem Zukunftsverlust gelten. Die Zukunft steht für junge Menschen auf dem Spiel und es sei daher die Vermittlung jener Kompetenzen notwendig, die einer individuellen Gestaltung der Zukunft dienen können. Junge Menschen spiegeln heute wider, was den Erwachsenen wichtig ist. Sie reagieren heute in unterschiedlicher Weise auf eine Situation, die sie selbst nicht verursacht haben. Polak meint, die Rückkehr zu "alten Werten" ist unmöglich, wenngleich sich viele danach sehnen. Anzustreben ist ein kreativer Wertwandel. Gefragt seien gerade im pädagogischen Bereich intergenerationale Lerngemeinschaften, in denen diese Wertesynthese zwischen Tradition und Innovation leb- und erfahrbar werden kann.

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Der Mensch wird am Du zum Ich- auch in der Schule?

Univ.-Prof. Dr. Anton Bucher bringt in seinem Vortrag zunächst Bilder von Erziehung, beschreibt danach das dialogische Prinzip in der Erziehung nach Martin Buber und schließt mit päd. Implikationen. Hinter jeder erzieherischen Handlung steht ein bestimmtes Bild vom Kind – sei es, dass es geprägt werden soll – oder dass man es einfach (er-)wachsen werden lassen möge. Bucher zitiert die klassische Definition von Erziehung nach Brezinka, wonach der Erzieher versucht beim Educanden intentional eine als wünschenswert eingeschätzte Veränderung (der Einstellungen, des Verhaltens etc.) zu erzielen. Diese Handlung wird heute immer weniger vom Elternhaus übernommen – erwünscht sei sie allemal.

Die relevanten Merkmale eines guten Lehrers (nach Tück):
sind Verhaltenskonstanz, Berechenbarkeit, Konsequenz, und Fairness.

Erziehung kann als Begegnung betrachtet werden. Nicht jede Begegnung ist pädagogisch, aber Erziehung geht nicht ohne pädagogische Interaktion (Nohl).
Das dialogische Prinzip in der Erziehung beschreibt Martin Buber (1878-1965) treffend mit "Der Mensch wird nur am Du zum ich Eine wesentliche Voraussetzungen erzieherischen Handelns ist die Erreichbarkeit des Kindes. Hier ist der Mensch als Mit-Mensch das in die Verantwortung gestellte Wesen. Welche pädagogischen Implikationen ergeben sich daraus? Die Grundsatzfrage lautet: "Inwieweit kann von der Schule Erziehungsarbeit erwartet werden. Wie kann eine Institution Bindungserfahrung ermöglichen? Die Position Hegels: Gymnasium hat Bildungs- und Unterrichtsfunktion, Erziehung muss das Elternhaus leisten, kann heute nur mehr bedingt angenommen werden. Heute zeichnet sich ein problematischer Trend ab: Schule wird zunehmend zum "Sanitätskasten" der Gesellschaft – alle Unzulänglichkeiten müssen in der Schule thematisiert und möglichst beseitigt werden.

Was kann hingegen realistischer weise von LehrerInnen erwartet werden?

Nach wie vor ist Johann Friedrich Herbarth's Konzept des erziehenden Unterrichts relevant. Es kommt darauf an, dass der Schüler angesprochen wird, dass ein individueller Nachdenkprozess eingeleitet wird. In Fächern wie Biologie oder Religion leichter möglich als in Mathe – aber auch dort. Was können wir zur Beziehungsfähigkeit der SchülerInnen beitragen? Freilich ist es nicht möglich, 30 Beziehungen gleichzeitig zu pflegen. Die Klassengröße ist ein wesentliches Gelingenskriterium für das dialogische Erziehungskonzept.
Ganz einfache, aber elementarere Dinge wie Körpersprache, Augenkontakt sind beim Aufbau der erforderlichen Beziehungsstruktur zwischen Lehrer und Schüler hilfreich.
"Denn wir können Kinder nach unserem Sinne nicht formen - aber so, wie Gott sie uns gab, dürfen wir sie gernhaben und lieben."
(Hermann und Dorothea - Goethe)

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